Texte

Bedeutung, Gedanken, Texte und mehr zum künstlerisch bildhaften Gestaltungsprozess – eine Annäherung.

Kunst bedeutet für mich Schauen, Betrachten, Reflektieren – ein ständiger Dialog zwischen Intuition, …


Kunst bedeutet für mich Schauen, Betrachten, Reflektieren – ein ständiger Dialog zwischen Intuition, Wissen und Handwerk. Die Arbeit mit den Händen, unterstützt durch Werkzeuge und neue Technologien, ist ebenso Teil meines kreativen Prozesses wie das bewusste Ausloten des Innersten. Kunst ist Bewegung – ein Auf und Ab, ein Reagieren auf äußere Umstände, ein ständiges Loslassen und Neubeginnen. Eine Vision aus dem Kopf über die Hand in das Material zu übertragen – was für ein Geschenk.

Die Auseinandersetzung mit Stein, Holz und Ton erlaubt mir, sowohl abstrakte als auch konkrete Plastiken zu formen. Inspiriert von der Natur, dem Garten und dem Menschen, studiere ich die uns umgebende Realität und lasse sie in meine Arbeiten einfließen.

Ein zentraler Einfluss meines Schaffens ist meine langjährige Praxis der Kampfkünste Karate-do und Aikido. Viele meiner Werke tragen den Titel „Zanshin“ – ein Begriff aus den japanischen Kampfkünsten, der einen Zustand erhöhter Wachsamkeit, Achtsamkeit und Konzentration beschreibt. In der Serie Zanshin oder Wachsamkeit, Wächter und Hüter der Werte, steht der menschliche Kopf im Fokus – Mimik, Haltung und Ausdruck als Spiegel der Emotionen. Es ist eine künstlerische Annäherung an Fragen des Seins, der Stellung des Menschen in der Welt und der Selbstwahrnehmung – ohne abschließende Antworten zu liefern.

Philosophische Konzepte begleiten meine Arbeit. Marc Aurels Gedanken zur Selbstbetrachtung und inneren Gelassenheit inspirieren mich ebenso wie Immanuel Kants kategorischer Imperativ, als Grundlage ethischen Handelns. Kunst ist für mich nicht nur Ausdruck, sondern auch Verantwortung – eine Haltung, die unser soziales Gefüge reflektiert.


Kunst als Selbstbegegnung lädt zu unterschiedlichen Assoziationen ein …


Maga. Angelika Doppelbauer, MA

Der Titel Selbstbegegnungen lädt zu unterschiedlichen Assoziationen ein. Sich selbst zu begegnen in Zeiten großer Ablenkung und Zerstreuung ist wohl eine Sehnsucht, die viele kennen. Der Titel verweist auch auf eine therapeutische Methode der Selbsterfahrung[1], bezieht sich jedoch vor allem auf ein Buch, das der römische Kaiser Marc Aurel im zweiten Jahrhundert unter anderem im Gebiet des heutigen Österreich verfasste. Darin denkt er im Stil von Selbstgesprächen über sich und die Welt nach. Das Werk ist stark von der stoischen Philosophie beeinflusst. Marc Aurel sieht den Menschen als Teil der universalten Natur, deren Prinzipien er unterliegt, mit allen Möglichkeiten und Grenzen. Als höchstes Glück gilt ihm die Seelenruhe, die auch beinhaltet, sein Schicksal anzunehmen.

Die stoische Philosophie stimmt in zahlreichen Aspekten mit fernöstlichen Traditionen überein, in denen Gelassenheit, Harmonie, Absichtslosigkeit und Aufmerksamkeit als erstrebenswerte Haltungen gelten. Mit diesem Kosmos hat sich der Künstler Josef Derflinger tiefgründig auseinandergesetzt. Seine Werkserie “Zanshin“ besteht aus einer Vielzahl an Köpfen, beziehungsweise Büsten aus Ton. Auf den ersten Blick scheinen sie sich zu ähneln, aber sie unterscheiden sich durch ihre Oberflächen, durch die Art der Herstellung und Verarbeitung, durch ihre Haltung und Mimik, Ausdruck und Emotion. Die Unterschiede sind fein und subtil, aber je länger man sie betrachtet, desto deutlicher treten verschiedene Typen hervor, individuelle Merkmale, unterschiedliche Physiognomien und Stimmungen. Manche Köpfe sind äußerst realistisch, andere manieristisch in die Länge gezogen, oder gedrungen, ohne jemals den Eindruck naturalistischer Darstellung zu verlassen. Manche sind kahl, andere tragen angedeutete, historisch wirkende Kopfbedeckungen. Es finden sich keine Anzeichen auf Bekleidung, die einen Anhaltspunkt zur Einordnung in einen bestimmten Kontext geben würden. Die Köpfe bleiben pur und wirken dadurch ein wenig rätselhaft.

Zanshin wird mit „balancierter Geist“ übersetzt. Es ist ein Konzept aus den japanischen Kampfkünsten, das einen körperlichen und geistigen Zustand erhöhter Wachsamkeit beschreibt: Aufmerksamkeit, Konzentration und Achtsamkeit, eine Einheit von Körper und Geist, ganz bei sich sein im Hier und Jetzt. Diese Haltung drückt sich in größtmöglicher Ruhe aus, die aber jederzeit bereit ist, zu handeln.

Viele Figuren von Josef Derflinger halten ihre Augen geschlossen. Ihr Blick geht nicht nach außen, sondern wendet sich nach innen. Die Darstellungen agieren nicht, sondern scheinen aufmerksam. Sie nehmen wahr, hören zu statt zu sprechen. Sie gehen nicht in Kontakt mit den Betrachtenden, sondern laden das Publikum ein, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Durch ihren eigenen Blick nach innen gewähren sie auch ihrem Gegenüber diese Freiheit. Man muss ihrem Blick nicht begegnen und hat dadurch die Möglichkeit, auch selbst nach innen zu blicken. Der Künstler wünscht sich Selbstbegegnungen für sein Publikum, beim Betrachten seiner Werke. 

Büsten dienen oft als Erinnerung an berühmte Persönlichkeiten. Bei Josef Derflinger handelt es sich jedoch um anonyme Gesichter. Es geht ihm weniger um eine individuelle Physiognomie, als um die Suche nach Archetypen und den sparsamen Ausdruck allgemeingültiger Gefühlsregungen.

Neben den Büsten aus Ton fertigt Josef Derflinger auch Holzskulpturen, archaisch anmutende Köpfe, teilweise lasierend gefärbt und amorphe Figuren, die trotz ihrer Reduktion Assoziationen zu menschlichen Körpern erwecken. Sie sind gleichzeitig Mensch, Stele und Säule, viel zu zart für eine Karyatide. Das natürlich scheinende Auf- und Abschwellen ist wie eine zarte Verbeugung vor dem Bildhauer Constantin Brancusi. Josef Derflinger treibt dabei das Material an seine statischen Grenzen. Wie dünn kann ein Abschnitt sein, ohne abzubrechen oder die Standsicherheit der ganzen Figur zu gefährden? Manche dieser eleganten Gebilde scheinen direkt aus dem Holz eines Baumes herauszuwachsen, der an seinem Fuß noch die Rinde trägt. Der Künstler arbeitet Hand in Hand mit der Natur und übernimmt dort, wo sie ihm das Material überlässt. Als Inspiration dient ihm sein Garten, den er wie eine Skulptur bearbeitet.

[1] Anliegenmethode der Identitätsorientierten Psychotrauma Theorie


Kopf, Herz und Hand – Eigenes Tun gehört untrennbar und unmittelbar zum Denken …


Mit Kopf, Herz und Hand – Eigenes Tun gehört untrennbar und unmittelbar zum Denken. In diesem Zusammenhang ist ästhetische Erziehung ein wesentlicher Teil des Unterrichtsgegenstandes Technisches Werken.

DEFINITION
Der Begriff der Ästhetik (griech. „aistesis“) meint die sinnliche Wahrnehmung. Die ästhetische Bildung wäre demnach die Ausbildung der sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit, was die Hör- , Seh- und Körpererfahrung in ihren Zusammenhängen mit einschließt. Diese meint vor allem eine ganzheitliche, im engeren Sinne die körperliche Erschließung der Welt. In diesem Zusammenhang sei auf Platon und Gottlieb Baumgarten verwiesen. Körpererfahrung entwickelt sich in erster Linie durch haptische Reize.

EINE ANNÄHERUNG
Nach dieser Erklärung, denke ich, kann die Technische Werkerziehung einen wesentlichen Bildungsbeitrag leisten. Körpererfahrung entsteht und entwickelt sich im Besonderen durch haptische Reize. In einer multimedialen Gesellschaft, die sich zusehends mehr in virtuellen Welten bewegt, leistet vor allem die Technische Werkerziehung einen wesentlichen Beitrag zur Orientierung, zum Ausgleich, vor allem aber zur Bewältigung dieser Welt. Ein Material, welches mit allen Sinnen erfasst werden kann; die Bearbeitung und die Veränderung des Erscheinungsbildes; die Hand das äußere Gehirn des Menschen wird gefordert, gefördert und geschult.
Eine Idee, die im Kopf entsteht, dann zu, Papier gebracht, in Form einer groben Vorstellung; eine Visualisierung als Skizze, welche der besseren Verständigung dient, als Möglichkeit der Kommunikation und Reflexion; nicht zuletzt die Umsetzung einer Idee als mehrdimensionales Objekt, das mit allen Sinnen erfasst (begriffen) werden kann und sein Ziel in der Handhabung des Konsumenten findet, der den komplexen Entstehungsprozess nur noch marginal nachempfinden kann. Dieses produkt- und prozessorientierte Handeln eröffnet, oftmals vollkommen unbewusst, die gemeinte sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit, im Sinne der „aistesis“.
Daraus schließe ich Folgendes: Die Sensibilisierung der Sinne (“Lernen mit allen Sinnen“), die Schärfung der Wahrnehmung, die Förderung des Tuns und Machens führen auch zu einer Schärfung des Denkens, somit zu einer ganzheitlichen Ausbildung, auch im Sinne einer bildungspolitischen Fragestellung. Ästhetische Bildung im Sinne von Kopf Herz Hand (Lernzielstufen nach Bloom, Krathwohl, Dave).

ABGRENZUNG
Die Technische Werkerziehung im Kanon der Schulfächer ist inhalt¬lich, didaktisch und pädagogisch klar formuliert (siehe Lehrplan) und schließt auch die ästhetische Bildung mit ein, nicht umgekehrt. Daher bedarf es auch einer für das Fach gesprochen klaren Abgrenzung. Andernfalls liefe man Gefahr, ein Fächerkonvolut „Ästhetische Bildung“ zu konstruieren mit der Fragestellung: Welche Unterrichtsgegenstände können durch ein Fach »Ästhetische Bildung“ ersetzt oder übernommen werden. Eine bildungspolitische Frage mit weit reichenden Folgen. Als Vater, Lehrer und Vertreter der Technischen Werkerziehung stellt sich die Frage: Wie kann „Ästhetische Bildung“ als Inhalt in den Unterrichtsgegenständen integriert und so zu einem wesentlichen Bildungsinhalt gemacht werden? Die Antwort für die Technische Werkerziehung liegt auf der Hand.

Der Artikel erschien in Heft 15/2007 der Zeitschrift „AHAes – Die pädagogische Zeitschrift für die Allgemeinbildenden Höheren Schulen“, Hg. Pädagogische Hochschule Oberösterreich. Institut f. Fort- und Weiterbildung AHS, Kaplanhofstr.40, 4020 Linz 
Mag. Josef Derflinger war ARGE-Leiter für Technisches Werken an den AHS in Oberösterreich und unterrichtet am Realgymnasium Lambach.